17. Oktober 2014

Fernsehen oder nicht fernsehen - das ist hier die Frage!

Vor kurzem hat Anna vom Blog BerlinMitteMom zu einer Blogparade mit dem Thema "Medienerziehung in der Familie" aufgerufen. Ich lese ihren Blog schon eine ganze Weile und habe schon des Öfteren einen Link zu ihren Posts an den Lieblingspapa geschickt, da sie einfach die richtigen Worte findet. Ohne es zu wissen, hat sie mit ihrem neuen Post bei mir genau ins Schwarze getroffen, denn seit einigen Wochen beschäftige ich mich sehr intensiv mit diesem Thema und habe dazu auch schon eine Mini-mini-Umfrage bei befreundeten Kindergartenmamas durchgeführt. Lest hier, wie es dazu gekommen ist, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, wie es im Hause Liebling gehandhabt wird und warum ich gerade dabei bin, meine Meinung zu ändern.

Als ich Annas Post zum Thema Medienerziehung las, dachte ich mal wieder, dass sie genau die richtigen Worte zu diesem Thema gefunden hat. Und ich finde ihren Vergleich mit der Schokolade sehr treffend, denn ich habe die Themen Naschen und Fernsehen für mich auch bereits gleichgesetzt. Bei dem einen ist uns die Umsetzung geglückt (finde ich), beim anderen haben wir eindeutig Nachholbedarf, damit hier bald ein normaler Umgang mit dem Fernseher herrscht.

Bevor ich euch erzähle, wie wir die Medienerziehung des Löwenmädchens bisher gehandhabt haben, möchte ich euch kurz zwei Erlebnisse schildern, die mich dazu bewogen haben, beim Thema Fernsehen umzudenken.

Vor einigen Wochen war das Löwenmädchen auf einem Kindergeburtstag ihrer Freundin R. eingeladen. So weit, so gut dachte ich mir und brachte sie zum verabredeten Zeitpunkt dorthin. Aber als ich ging, hatte ich kein besonders gutes Gefühl sie dort zu lassen. Als ich schließlich drei Stunden später wieder in der Tür stand, traute ich meinen Augen nicht. Saß doch das Löwenmädchen im Kinderzimmer auf dem Bett und schaute fern! Nur ein weiteres Mädchen leistete ihr Gesellschaft, alle anderen spielten auf dem Boden - jeder für sich. Natürlich ließ sie sich nicht einfach mitnehmen, sondern bestand darauf weiterzuschauen. Und so kam es, dass ich mich im Wohnzimmer wiederfand und einen Teller mit einem schrecklichen rosafarbenen Kuchen in die Hand gedrückt bekam. Während ich diesen versuchte hinunter zu würgen, wurde ich Zeuge, wie ein kleiner Junge - er war vielleicht 2 Jahre alt - lautstark einforderte, dass der dortige Fernseher ebenfalls eingeschaltet würde. Von den umstehenden Eltern wurde dies nur damit kommentiert, dass es doch bitte der Kinderkanal sein solle, da um diese Uhrzeit irgendeine Serie komme.
Als ich das Löwenmädchen endlich aus dem Kinderzimmer locken konnte, gingen wir erstmal mit den anderen Kindern ins Wohnzimmer, da dort noch schnell die Geschenke ausgepackt werden sollten. Davon hat meine Tochter allerdings recht wenig mitbekommen, da sie auch dort völlig gebannt vor dem Fernseher saß und nicht wegschauen konnte (wir nennen es immer ihren Tunnelblick).

Zwei Sachen haben mich an diesem Tag besonders geschockt:
  1. Wie kann es sein, dass ein vierjähriges (mittlerweile schon 5jähriges) Kind schon einen eigenen Fernseher im Zimmer hat, der auch noch genau vor ihrem Bett angebracht war? Und:
  2. Warum muss ständig überall der Fernseher laufen? Kann man sich nicht mehr anderweitig beschäftigen? Gerade an einem Kindergeburtstag sollten doch eigentlich andere Sachen auf dem Programm stehen als Monster High zu schauen.
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Eine ähnliche Situation ereignete sich kurze Zeit später in einem Spielwarenladen. Wir waren gemeinsam dort um ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Als wir soweit alles hatten, wollte ich mich noch etwas umschauen und lief durch die Gänge. Das Löwenmädchen schaute sich alleine etwas um, war aber immer in meiner Nähe. Als ich ihr sagte, dass ich noch schnell zu den Büchern wolle, war ihre Antwort nur, dass sie hier stehen bleiben wolle und auf mich warten würde. Ich wunderte mich nur, da sie Bücher eigentlich über alles liebt, ging aber alleine los. Nachdem ich mich etwas umgeschaut hatte, ging ich zurück zu ihr und da sah ich, weshalb sie nicht mitkommen wollte: Eine Werbeaktion von Lego war dort aufgebaut und in deren Mitte lief ständig ein kurzer Werbefilm. Nicht lange und immer wieder dasselbe. Aber allein die Tatsache, dass dort bewegte Bilder zu sehen waren, reichte aus um das Löwenmädchen zu fesseln, so dass sie davor stehen blieb.


Mir hat die Reaktion des Löwenmädchen gezeigt, dass wir bei diesem Thema eindeutig Nachholbedarf haben, da ich mir für meine Kinder einen normalen Umgang mit Fernseher und Co. wünsche und nicht, dass sie ständig von jeder Flimmerkiste magisch angezogen werden und mit einem Tunnelblick davor sitzen bleiben und nicht mehr davon wegzubewegen sind. Und ich möchte auch nicht, dass sie später einmal diejenigen sind, denen das Fernsehschauen zuhause verboten wird und sie deshalb zu ihren Freunden gehen, nur um dort fernsehen zu können. Nein, dass will ich auf jeden Fall vermeiden.

Lasst mich euch mal erzählen, wie wir in den letzten vier Jahren das Thema Fernsehen im Hause Liebling gehandhabt haben:

Soweit ich mich erinnern kann, lief in den ersten 18 Monaten kein Fernseher oder Radio, wenn das Löwenmädchen wach war. Wir wollten vermeiden, dass sie durch die flimmernden Bilder oder das Gedudel des Radios zu vielen Reizen ausgesetzt ist. Was das angeht, waren wir wirklich erfolgreich. Noch heute mag es das Löwenmädchen lieber ruhiger und ich selber habe nichts vermisst in dieser Zeit. Als sie älter wurde, haben wir natürlich auch mal ab und an das Radion laufen lassen, aber ehrlich gesagt, bleibt es nach wie vor meistens aus. Ich vergesse es schlicht und einfach, da ich es nicht brauche und sowieso genug Lärm um mich habe.

Als sie älter wurde, machte ich den Fernseher an, wenn sie mal krank war und diese Regelung gibt es noch heute. Wenn man krank ist, darf man fernsehen - das weiß das Löwenmädchen ganz genau und freut sich auch immer schon, wenn sie dann mal krank ist. Aber schnell haben wir gemerkt, dass wir mit dem heutigen Fernsehprogramm nicht zufrieden sind. Wir wollten dem Löwenmädchen die schönen Serien unserer Kindheit zeigen, denn uns gefiel das meiste nicht, was wir sahen. So fingen wir an, dass sie ab und an über Youtube kleine Filmchen sehen durfte. Am Anfang waren es die Mausclips, dann kam der kleine Maulwurf und schließlich ihre geliebte Emily Erdbeer.  Diese Serie liebt sie seit Jahren und sie schaut sie immer wieder gerne an. Ich kann sie euch wirklich guten Gewissens für eure Kinder empfehlen. Für uns war es einfach praktisch, denn über Youtube konnten wir sie zu unseren Zeiten schauen lassen und waren nicht an irgendein Fernsehprogramm gebunden. Zu dem ist nun mal nach einer Folge Schluß und es kommt nicht gleich im Anschluss die nächste Sendung. Gleichzeitig legten wir uns noch zwei DVDs zu, damit das Löwenmädchen eben auch mal fernsehen durfte. Und mit dem Sandmännchen-Film und dem Rabe Socken hatten wir zwei Filme, die sie sich bis heute gerne anschaut. 

Leider haben wir dadurch das eigentliche Fernsehprogramm nicht weiter beachtet. Wir hatten ja auch keinen Grund dazu, denn das Löwenmädchen durfte seine Sendungen schauen. Das war aber nicht sehr oft. Es gab Wochen, da schaute sie mehrmals die Woche ein oder zwei Folgen, dann war wieder lange Pause, da wir viel im Garten gespielt haben, vorgelesen oder gebastelt wurde. Im Nachhinein betrachtet, haben wir keine Fernsehroutine geschaffen, wie wir es mit den Süßigkeiten gemacht haben, um wieder auf den Vergleich von BerlinMitteMom zu kommen. Süßigkeiten gab und gibt es bei uns beinahe täglich. Aber eben nicht morgens, mittags und abends in rauen Mengen, sondern einmal am Tag eine Kleinigkeit. Und das reicht uns als auch dem Löwenmädchen völlig. Sie hatte bis heute nie das Bedürfnis sich irgendwo mit Süßigkeiten vollzustopfen, da sie einen normalen Umgang damit gewöhnt ist.

Anders ist es beim Fernsehen. Obwohl sie einige Sachen schauen darf, kennt sie vieles noch nicht. Das wurde mir immer mehr bewusst, seit sie in den Kindergarten geht. Und eben an besagtem Kindergeburtstag ist es mir klar geworden. Alle Kinder, die täglich fernsehen, waren nicht interessiert und spielten weiter. Da aber das Löwenmädchen so etwas nicht kannte, war sie magisch davon angezogen und kam von alleine nicht mehr vom Fernseher weg.

Ich habe seither für mich beschlossen, dass wir sie mehr an das Thema heranführen müssen. Ein komplettes Verweigern bringt in der heutigen Zeit nichts mehr. Die Medien sind da und es ist unsere Aufgabe unseren Kindern einen verantwortungsbewussten Umgang damit beizubringen. Meiner Meinung nach sollte es für alle Eltern heutzutage dazugehören unsere Kinder schon von klein auf an Fernseher und Smartphone zu gewöhnen. So gehören diese Dinge später zu ihrem Alltag. Sobald dann die Schule anfängt und das Löwenmädchen lesen kann, wird selbstverständlich auch noch der Computer und mit ihm das Internet dazugehören.

Nun darf das Löwenmädchen also öfters mal eine Folge Biene Maja schauen und am Wochenende erst haben wir uns abends zu dritts auf das Sofa gekuschelt und gemeinsam die Eiskönigin geschaut. So haben wir daraus für sie ein besonderes Ereignis gemacht und sie war mächtig stolz darauf.   Bisher achte ich noch darauf, dass der Fernseher aus bleibt, solange der Minimann wach ist. Denn noch ist er zu klein dafür, aber ich denke, er wird schon früher fernsehen und einen anderen Umgang damit lernen, da er es bei seiner großen Schwester miterlebt.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in die Medienerziehung unserer Kinder geben.

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Bis bald,

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